#OskarRedetMit – Aileen Merkel, Ehrenamtskoordinatorin im Caritas Vormundschaftsverein

Fotos: Angela Kröll

Zahlreiche Vereine, Organisationen und Einrichtungen gehören mit ihren vielfältigen Angeboten zum täglichen Leben in den Lichtenberger Kiezen. Was man an ihnen hat, merkt man ganz schnell, wenn Treffen oder Mitmachaktionen nicht mehr stattfinden können, wie wir in der Corona-Krise schmerzlich erleben mussten. Oskar hat nachgefragt, wie es in Lichtenberg tätigen Vereinen, Initiativen und Organisationen derzeit so steht und wie das Leben bei ihnen weiter geht.

Oskar: Die Corona-Pandemie hat ganz viele Pläne durchkreuzt. Wie ist denn der Caritas Vormundschaftsverein durch die Wochen der strengen Kontaktbegrenzung gekommen?

Aileen Merkel: Nach einer kurzen Umorientierungsphase ist der Caritas Vormundschaftsverein auf digitale Angebote, bspw. Zoom umgestiegen, um mit den Ehrenamtlichen weiterhin kommunizieren zu können. Natürlich waren wir auch durchgängig via Telefon oder Mail erreichbar. Der Besuch in Einrichtungen von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten war zunächst leider nicht möglich, wird jedoch unter Einhaltung der Hygieneregelungen nun wieder aufgenommen. Meistens wird sich dank der angenehmen Sommertemperaturen draußen getroffen. Schwierig war es für die Ehrenamtlichen, das kooperierende Behörden, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder die Familiengerichte leider kaum noch erreichbar waren. Auch Jugendhilfekonferenzen, die für eine adäquate Hilfe für die Jugendlichen essentiell sind fanden leider überhaupt nicht statt. Zum Glück öffnen nun alle Behörden wieder und es folgt langsam so etwas wie Normalität.

Oskar: Gibt es eine Erfahrung oder ein Erlebnis in der Krisenzeit, die oder das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Aileen Merkel: Die spannenden Berichte der Ehrenamtlichen und kreativen Lösungen der Kontaktgestaltung mit den Mündeln, waren immer sehr interessant. Treffen in Parks, zum Eis essen. Natürlich erst als es wieder möglich war. Auch war die zügige Digitalisierung und Verlagerung auf Videokonferenzen eine Erleichterung und Möglichkeit weiterhin unsere Angebote weitestgehend an die Ehrenamtlichen zu bringen, wie bspw. digitale Sitzungen, Austauschmöglichkeiten oder Kennlerngespräche.

Oskar: Inzwischen sind ja doch einige Schritte der Lockerung hin zu mehr Normalität gegangen worden. Wie wird es in den nächsten Wochen beim Caritas Vormundschaftsverein weiter gehen, was wird wieder möglich sein?

Aileen Merkel: Wir freuen uns nun wieder ’analoge‘ Beratungsangebote unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften anbieten zu können. Der direkte Austausch mit den Ehrenamtlichen und den Jugendlichen ist uns sehr wichtig für eine gute Zusammenarbeit und Unterstützungsmöglichkeit der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten.

Oskar: Eine solche Pandemie hat ja bisher keiner von uns erlebt. Und wir werden die Zeit auch sicher so schnelle nicht vergessen. Wir mussten unser Leben umkrempeln und manches Gewohnte ganz anders machen. Gibt es denn Verhaltensweisen und Formen des Umgangs miteinander, die Sie gerne erhalten würden, wenn sich unser Leben wieder normalisiert?

Aileen Merkel: Einen großen Gewinn sehen wir in der Digitalisierung und der daraus entstehenden Flexibilität. Bei Sitzungen via Videokonferenz entfällt ja die Fahrzeit. Auch ist es (im Sommer wohlgemerkt) sehr angenehm sich auch mal außerhalb der gewohnten Räume zu treffen. Das hat gleich ein ganz anderes Ambiente. Und den Erfindungsreichtum in kreativen Lösungen. Dieses Feeling sollte beibehalten werden.