#OskarRedetMit – Klara Kramer, Fridays for Future-Gruppe Lichtenberg

Die Fragen stellte Peter Breitfeld                                          Fotos: FFF Lichtenberg

Fridays for Future kennt inzwischen wohl jeder. Die Klima- und Umweltschutzbewegung macht mit Aktionen auf Straßen und Plätzen auf sich und ihre Ziele aufmerksam. Oft bestimmt sie die Schlagzeilen überregionaler Medien. Mitglieder der Bewegung sind gefragte Gesprächspartner in bekannten Talk-Sendungsformaten und auf den Social Media Kanälen. Aber wussten Sie, dass es auch in Lichtenberg eine aktive FFF-Gruppe gibt? Nein, dann wird Sie interessieren worüber Klara Kramer im oskar-Interview berichtet. Bei FFF kommuniziert man per Du. Wir übernehmen das auch für das Interview.

oskar: Fridays for Future verbinden die meisten mit Demos oder anderen öffentlichkeitswirksamen Aktionen. Wie sieht denn der Alltag einer FFF-Gruppe in Lichtenberg aus? Womit beschäftigt Ihr Euch, wenn keine Demo ansteht?

Klara: Momentan sind wir, wie so viele andere aktivistische Gruppen, stark von Corona eingeschränkt und müssen uns der Situation anpassen. Wir treffen uns wöchentlich montags online zum Plenum und besprechen Ereignisse, Aktionen und Bezirksthemen. Auch wenn das meiste digital stattfindet, sind wir bei vielen Aktionen und Demos beteiligt oder starten selber welche. Wir arbeiten oft mit anderen Bezirksgruppen oder der Berlin-Gruppe zusammen.

Bei unseren Aktionen geht es dann oft um Bezirksthemen, wie der Ausbau von Fahrradwegen oder auch nur die Bewässerung von Bäumen im Sommer. Momentan konzentrieren sich unsere Planungen auf die bevorstehenden Wahlen im September. Wir haben am Anfang des Jahres unsere Forderungen veröffentlicht und wollen uns in den Wahlkampf zur BVV einmischen. Wir sprechen mit den Parteien im Bezirk, richten uns aber mit unseren Forderungen auch an Unternehmen und Bildungseinrichtungen.

Was sind denn Eure wichtigsten Forderungen und wo sind sie veröffentlicht? Nenne doch mal ein, zwei Beispiele.

Wir haben Im Februar eigene Forderungen veröffentlich und richten uns mit diesen vor allem an die Bezirkspolitik aber auch an Bildungseinrichtungen und an die Wirtschaft im Bezirk. Unter anderem fordernd wir im Gebäudesektor, dass alle Gebäude bis 2035 sozial gerecht saniert werden und die Potenziale für Photovoltaik in Lichtenberg vollständig ausschöpfen. In Bereich Verkehr wollen wir eine Umwidmung von Flächen für mehr nachhaltige Verkehrsformen und dass das Mobilitätsgesetz umgesetzt wird. Wir sprechen in unseren Forderungen auch die Themen Umwelt und Tiere, Bildung und Kultur sowie Wirtschaft und Verwaltung an. Finden kann man unseren Forderungskatalog auf unserer Website https://fridaysforfuture.berlin/bezirksgruppen/lichtenberg/

Klimaschutz und Kampf gegen Erderwärmung ist etwas, bei dem weltweit gedacht und gehandelt werden muss. So mancher zieht mit diesem Argument aber den Sinn kleinerer, lokaler Aktionen in Frage. So unter dem Motto: Für den Klimaschutz bringt es eh nichts, wenn wir in Lichtenberg die Straßenbäume wässern. Ihr seht das sicher anders?

Ja, auch auf kommunaler Ebene müssen Maßnahmen für konsequente Klimagerechtigkeit umgesetzt werden. Typischerweise verweisen Politiker:innen immer auf eine andere Ebene, ob sie über Ihr oder unter Ihr steht. Fragt man Landespolitiker:innen verweisen die auf die Bundesebene, fragt man Europapolitiker:innen verweisen die auf die Nationalstaaten und so weiter. Natürlich ist klar, dass wir die Energie- oder die Verkehrswende nicht allein umsetzen können, aber wir müssen unseren Beitrag leisten. Wir denken immer „Thinkglobal, act local“, also „Global denken, lokal handeln“. Es ist wichtig, sowohl von oben als auch Druck von unten auszuüben. Ein weiterer Vorteil der lokalen Aktionen ist die Sichtbarkeit und die Ansprechbarkeit der Bewegung. Viele kennen Fridays for Future aus den Nachrichten, haben aber ansonsten keine Berührungspunkte mit der Bewegung. Dies hoffen wir durch unsere lokalen Aktionen zu ändern.

Bleiben wir mal beim lokalen Bezug. Einerseits unterstützt Ihr, globale oder berlinweite Aktionen. Andererseits seid Ihr ja auch hier in Lichtenberg verwurzelt und aktiv. Was liegt Euch hier am Herzen? Was wollt Ihr im Bezirk anschieben?

Wir wollen Menschen in Lichtenberg auf das Thema Klimagerechtigkeit auf kommunaler Ebene aufmerksam machen. Gerade junge Menschen wollen wir dazu ermutigen, sich zu beteiligen und einzumischen. Vor allem wollen wir, dass das Thema Klimagerechtigkeit den Stellenwert in der Kommunalpolitik bekommt, den es verdient. Das heißt für uns, dass Klimagerechtigkeit bei jeder Entscheidung in der BVV (Bezirksverordnetenversammlung) und im Bezirksamt eine Rolle spielen muss. Alle Teile von Lichtenberg müssen dabei Beachtung finden. Jeder Kiez muss gut angebunden sein, mit genügend Grünflächen versorgt sein, also auch in Zukunft lebenswert sein.

Wie setzt sich denn Eure Gruppe zusammen? Seid Ihr vor allem Schüler:innen und Studierende? Oder wer gehört dazu? Wie viel seid Ihr? Seid Ihr mit anderen Gruppen vernetzt? Und was muss jemand tun, wenn er bei Euch mitmachen will?

Wir sind eine kleine Gruppe aus rund 12 Schüler:innen und Studierenden, mal sind wir ein paar mehr oder weniger. Niemand ist verpflichtet, sich dauerhaft bei uns zu engagieren. Alle können bei unseren Plena oder Aktionen dabei sein oder mitplanen. Die meisten von uns wohnen in Lichtenberg und kennen den Bezirk, aber das ist keine Voraussetzung um bei uns mitzumachen. Wir sind gut in der Klimagerechtigkeitsbewegung vernetzt: mit den anderen Bezirksgruppen von Fridays for Future, mit anderen lokalen Akteuren im Naturschutz und natürlich als Jugendbewegung mit vielen Jugendclubs im Bezirk. Es gibt keine Voraussetzungen, um bei uns mitzumachen. Kontaktieren kann man uns über E-Mail (lichtenberg@fridaysforfuture.berlin), Instagram (fff.berlin_lichtenberg) oder Twitter (@fff_lberg). Wir laden alle ein, einfach mal vorbeizuschauen.

Was meint Ihr kann jede:r tun, um unsere natürliche Lebensumwelt auch für künftige Generationen lebenswert zu erhalten? Oder anders gefragt, was regt Euch mit Blick auf Klima- und Umweltschutz am meisten auf, wenn Ihr an unseren heutigen Lebensalltag denkt?

Die meisten Tipps, wie man seinen Alltag nachhaltiger führen kann, sind weithin bekannt oder können einfach im Internet recherchiert werden. Auf die Frage, was jede:r tun kann, antworten wir, dass man sich an seine Abgeordneten wendet und auf politische Kundgebungen gehen kann. Was uns am meisten aufregt ist der Gedanke, dass die Klimakatastrophe nicht auf einer individuellen Ebene aufgehalten werden kann. Viele Menschen sind auf das Auto oder auf günstige Lebensmittel angewiesen und können nicht einfach umsteigen. Gerade weil viele Menschen nachhaltiger leben wollen, es aber nicht können, müssen wir die Politik adressieren und dort Veränderungen anstoßen. Wir sind trotzdem zuversichtlich, dass die Klimakatastrophe mit vereinten Kräften auf ein erträgliches Maß reduziert werden kann.

Dieser Beitrag entstand in der Redaktion Zeigen, was geht!

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