#OskarRedetMit – Lena Graetsch, Sport-, Bewegungs- und Kommunikationszentrum J*uM*P

Die Fragen stellte Peter Breitfeld                            Fotos: JuMP

Jungen* und Mädchen*Projekt

Kids und Jugendliche, die in Neu-Hohenschönhausen Lust auf Sport und Bewegung haben oder einfach mal mit gleichaltrigen chillen wollen, die kennen das J*uM*P im Schweriner Ring 27. Der graue Flachbau aus Beton ist wegen der Wandgestaltung gut zu erkennen. Hier waren gewollt und gekonnt Sprayer*innen und die Besucher*innen am Werk und haben die Außenwand mit einem jugendfrischen Relief versehen. Normalerweise ist hier vor allem an den Nachmittagen eine Menge los. Derzeit sind die Angebote coronabedingt eingeschränkt. Wir sprachen mit Lena Graetsch darüber, was das J*uM*P ausmacht, welche Angebote es unterbreitet und wie es gerade so geht.

Oskar: Es geht um Sport und viel Bewegung – das ist so der erste Gedanke, wenn man den Projektnamen liest. Dann gibt es aber noch die Erweiterung um „Kommunikationszentrum“. Welche Angebote unterbreitet das J*uM*P genau und wer kommt zu Ihnen?

Lena Graetsch: Wir haben ganz verschiedene Sportangebote. Dazu gehören Ballsportarten wie Fußball oder Basketball. Wer will kann bei uns aber auch Tanzen oder Trampolin springen. Zu den angebotenen Outdoor-Spielen gehören Federball, Longboard, Inliner fahren oder Skaten. Und wer mal richtig Kämpfen und Raufen will, der kann Kickboxen. Gern angenommen werden aber auch die von uns angebotenen Beratungs-, Aufklärungs- und Kreativangebote sowie die Koch- und Verpflegungsmöglichkeiten.

Ein Banner vor dem bunten Flachbau des J*uM*P mit der Aufschrift „Stop Racism“

Das Angebot des Sport-, Bewegungs- und Kommunikationszentrum (SBK) richtet sich speziell an „Lückekinder“, das heißt an Mädchen* und Jungen*, Trans-* und Inter*menschen sowie Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Alter zwischen 8 und 14 Jahren. Das gesamte Altersspektrum bildet auch gleichzeitig unsere Kerngruppe. Unabhängig von Herkunft, Religion, Glaube, sozialem Umfeld, Bildungsstand, Familienstruktur, sexueller Identität und Orientierung sind hier alle willkommen. Das SBK-Zentrum will insbesondere da sein für Besucher*innen, die aus einkommensschwachen Haushalten kommen und einen erhöhten Förderbedarf zeigen.

Warum heben Sie im Namen extra hervor, dass das Projekt für Jungen und Mädchen da ist? Ist das nicht selbstverständlich?

Unser Arbeitsansatz ist die offene geschlechterreflektierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, nach den Prinzipien der parteilichen Mädchen*arbeit und der Patriarchat kritischen Jungen*arbeit. Mit diesem Ansatz wollen wir Mädchen* und Jungen* Räume bieten, in denen sie sich entfalten können und sicher fühlen, Dinge zu tun, die sie sich woanders vielleicht nicht trauen würden. Es sollen alle sich eingeladen fühlen zu kommen und ihre Freizeit bei uns zu verbringen. Das J*uM*P ist die zweite Einrichtung des Vereins Kietz für Kids Freizeitsport e.V. Im Gegensatz zu anderen Einrichtung, die speziell den Fokus auf die parteiliche Mädchen*arbeit legen und nur für Mädchen* geöffnet sind, ist das J*uM*P für jeden geöffnet.

Ende März gab es 14-tägige internationale Aktionswochen gegen Rassismus. Das J*uM*P war mit einer Aktion dabei. Warum ist Ihnen das wichtig? Und was hat die Aktion gebracht?

In unserem Selbstverständnis ist unsere Einrichtung ein Ort, an dem Rechtsextremismus, Antisemitismus, Sexismus und Ausgrenzung jeglicher Art kein Platz hat. Deswegen ist es uns als Pädagoge*innen vor Ort wichtig, dass wir diese Themen mit den Besucher*innen thematisieren und sie auch aufklären. Mit dem Malen von Bannern haben sich die Besucher*innen mit der Thematik Antirassismus auseinandergesetzt, und wir konnten sie stärken, sich gegen Rassismus einzusetzen. Mit den Plakaten an unserer Einrichtung haben wir ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt.

Graffiti-Art des Namens J*uM*P an der Außenseite des Jugendclubs

Corona hat uns nach wie vor im Griff. Es gibt viele Einschränkungen, manches ist gänzlich unmöglich. Wie hat sich das *JuM*P auf die Situation eingestellt? Was geht noch? Was nicht? Was bewegt Sie mit Blick auf die kommenden Monate?

Seit dem ersten Lockdown im März 2020 haben wir unseren Instagramauftritt mit online Angeboten verbessert und intensiviert. Nun ist das Smartphone und die sozialen Medien wie Whats App und Instagram ein täglicher Begleiter in unserem sozialpädagogischen Alltag. Sonst sind wir auf die aktuelle Verordnung angewiesen und versuchen, mit einem Hygienekonzept und AHA-Regeln einen Alltag für die Besucher*innen zu ermöglichen. Zurzeit ist es möglich, dass 5 Besucher*innen sich in der Einrichtung aufhalten und an Gesprächs-, Spiel- und Kreativangeboten oder der Hausaufgabenhilfe teilnehmen. Auf dem Gelände dürfen 10 Besucher*innen Spiel- und Sportangebote wahrnehmen.

Essen und Trinken ist nur außerhalb des Hauses möglich, die Pädagoge*innen kochen ein bis zwei Mal in der Woche für die Kinder und Jugendlichen. Diese können das Essen dann mitnehmen oder vor der Einrichtung verzehren. Das Kochen wird digitalisiert und als digitales Kochangebot zum Nachkochen auf Instagram hochgeladen. Der geliebte Sport- und der Chillraum sind leider geschlossen, weil sie zum einen zu klein sind und zum anderen Sport in geschlossenen Räumen noch nicht gestattet ist.

Jetzt wo es wärmer wird sind wir immer bemüht, viele Aktionen und Angebote draußen anzubieten, um den Kindern und Jugendlichen ein bisschen Normalität zu ermöglichen.Die große Hoffnung ist, dass wir in den Sommerferien wieder ein schönes Sommerferienprogramm anbieten können. Toll wären Ausflüge an Seen, vielleicht sogar mit Übernachtung. Auch an Kinobesuche denken wir oder an den Besuch von Minigolf- oder Kletteranlagen.

Ein Blick in den Spätsommer oder beginnenden Herbst: Vom 10. bis 19.September 2021 gibt es wieder Freiwilligentage in Berlin. In Lichtenberg ist da immer viel los. Viele Vereine und Initiativen nutzen die Gelegenheit, sich mit ihrer Arbeit zu präsentieren und auch Dank zu sagen für vielfältiges freiwilliges Engagement. Steht schon fest, ob das J*uM*P auch dabei ist?

Der Verein Kietz für Kids Freizeitsport e.V. hat sich in den letzten Jahren als gemeinnütziger Sport- und Gesundheitsverein mit seinen verschieden Abteilungen und Projekten vorgestellt. Dieses Jahr wird es vorrausichtlich auch gemacht.

Wer das J*uM*P unterstützen möchte, was könnte der oder die tun? Worüber würden Sie sich freuen?

Wir freuen uns immer über jegliche Art von finanzieller und materieller Unterstützung.

 

Dieser Artikel entstand in der Redaktion Zeigen, was geht! Sie ist die Freiwilligen-Redaktion der oskar | freiwilligenagentur lichtenberg. Freiwillig Engagierte verfassen für die Redaktion Beiträge über Themen im Zusammenhang mit Engagement. Das Format der Beiträge kann in der Redaktion frei gewählt werden, neben Texten sind beispielsweise auch Videos möglich. Die jährlich stattfindenden Freiwilligentage stehen besonders im Fokus. Die Zeigen, was geht!- Redaktion ist grundsätzlich offen für alle Interessierten Wir treffen uns an jedem 2. Donnerstag im Monat. Wer mitmachen möchte, meldet sich bitte bei Gül Yavuz: guel.yavuz@oskar.berlin