#OskarRedetMit: Maria Richter, Leiterin TagesTreff Weitlingstraße

Interview Peter Breitfeld, Fotos Konstantin Börner

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) Berlin-Brandenburg öffnet in der Lichtenberger Weitlingstraße 11 die Türen seines TagesTreff für Wohnungslose und Bedürftige. Der Zweck der Einrichtung erklärt sich von selbst. Aber welche Angebote hält der TagesTreff für seine Gäste konkret bereit? Wie wird das Angebot angenommen und woher kommen die Besucher? Ist Unterstützung von „außen“ gewünscht und was können Interessierte konkret tun? Oskar hatte Gelegenheit mit Maria Richter, Leiterin der Einrichtung, zu sprechen.

oskar: Seit wann gibt es den TagesTreff in der Weitlingstraße und welche Angebote hält er für seine Besucher bereit?

Alles hat angefangen mit einer medizinischen Versorgung für obdachlose Menschen in dem Bahnhofsgebäude von S – Bahnhof Lichtenberg. Dann sind 1994 die Räumlichkeiten in der Weitlingstr. 11 frei geworden, wo wir uns auch noch immer befinden. Mit diesen erhöhten Räumkapazitäten konnte die Idee einer ganzheitlichen Versorgung von obdachlosen und bedürftigen Menschen ausgebaut werden. Zu den Angeboten: Bei uns gibt es drei Mahlzeiten täglich und das an sieben Tagen in der Woche, unsere Besucher können außerdem die Duschen und Waschmaschinen und unsere Kleiderkammer nutzen, auch diese Angebote sind unseren Gästen an sieben Tagen in der Woche vorbehalten. Im ersten Stock unseres Hauses befinden sich unsere Allgemeinmedizinische- sowie unsere Zahnärztliche Praxis. Hier können auch Menschen ohne Krankenversicherung versorgt werden. Des Weiteren befindet sich hier auch unser Sozialbüro, wo unsere Besucher ihre Hauskarten und sämtliche Informationen erhalten und auch eine Postadresse einrichten können, mit der sie erst dann Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes beantragen können. Außerdem können sie bei mir eine Sozialberatung wahrnehmen. Die letzteren Angebote stehen unseren Gästen von Montag bis Freitag zur Verfügung.

Oskar: Das Gebäude, in dem sich der Tagestreff befindet, liegt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Lichtenberg. Nicht nur dieser Bahnhof ist ein Ort, wo sich Menschen ohne Bleibe treffen und Schutz suchen. Kommen die Gäste des TagesTreffs vor allem von dort oder wer besucht den Treff?

Unser Haus ist für alle Hilfesuchenden geöffnet. Sie kommen aus allen Bezirken und den unterschiedlichsten Städten und Ländern dieser Welt.

Oskar: Wer zur S- oder U-Bahn will oder den Bushaltepunkt am Bahnhof nutzt, kommt unweigerlich mit den sich dort aufhaltenden wohnungslosen Menschen in Kontakt. Manche treffen sich dort, um nicht allein zu sein. Andere bitten um eine Geldspende. Es ist aber auch viel Alkohol im Spiel, mit all seinen Folgen. Wie gehen Sie damit um, wenn stark Alkoholisierte den Treff besuchen?

Grundsätzlich dürfen unsere Besucher alkoholisiert zu uns kommen. Es gibt jedoch ein Konsumverbot von Alkohol und Drogen in unseren Räumlichkeiten. Wenn jemand zu uns kommt, der sich kaum noch auf den Beinen halten kann, dann muss er oder sie unser Haus verlassen und darf gerne wiederkommen, sobald er oder sie wieder etwas klarer ist.

Oskar: Für Menschen, die den Treff nutzen, ist er sicher an jedem einzelnen Tag im Jahr willkommen. Jetzt kommen aber mit der dunklen und kalten Jahreszeit Tage, an denen der Treff besonders wichtig ist. Corona macht alles noch komplizierter. Wie kommen sie damit zurecht, wie sind sie dafür gewappnet?

Die Pandemie war und ist, wie für alle, eine große Herausforderung. Auch wir haben einige Mitarbeiter, die aufgrund ihres Alters und/oder Vorerkrankungen zu den Risikopatienten gehören. Dies betrifft insbesondere unsere ehrenamtlichen Ärzte und Zahnärzte.

Auch in unserem Haus herrschte von Anfang an eine Maskenpflicht. Noch können wir alle unsere Besucher und MitarbeiterInnen mit entsprechenden Masken ausstatten. Dies bedeutet für uns allerdings auch erhöhte Mehrausgaben. Teilweise haben uns aber auch großzügige Spenden von Privatpersonen erreicht, die uns selbstgenähte Masken gebracht haben. Auch andere Sachspenden haben uns zu dieser Zeit erreicht und wir sind sehr froh und dankbar dafür, dass diese Hilfebereitschaft weiterhin vorhanden ist.

Was ebenfalls eine hohe Belastung darstellt sind die geringeren Platzkapazitäten in unseren Speiseräumen, die wir aufgrund der Abstandsregelungen einhalten. Unsere Lebensmittelausgabe haben wir in dieser Zeit auf den Hof verlegt, damit auch dabei der Abstand gewahrt werden kann.

Oskar: Sie verstehen sich als offener Treff. Das betrifft das Verhältnis zu den Wohnungslosen und Bedürftigen. Genau so offen sind sie auch, wenn sich Menschen in der Einrichtung freiwillig engagieren, sie unterstützen wollen. Wie sieht freiwilliges Engagement im TagesTreff aus? Und was können Menschen dem TagesTreff Gutes tun, wenn sie keine Zeit haben, sich freiwillig zu engagieren?

Unser Haus ist immer sehr froh und dankbar, wenn sich Menschen ehrenamtlich bei uns mit einbringen, ohne sie würden wir unsere Arbeit in dieser Form gar nicht anbieten können. Menschen, die sich ehrenamtlich bei uns engagieren möchten, können dies in folgenden Bereichen tun: Als Küchenhelfer benötigen wir insbesondere am Wochenende Unterstützung, aber auch in der Woche wäre es möglich. Dabei ist es nicht notwendig, über fundierte Kochkenntnisse zu verfügen. Zu den Arbeiten gehören einzelne Schnippelarbeiten, Bestückung des Geschirrspülers und die Ausgabe von Essen an bedürftige Menschen. Es ist dabei nicht nötig jedes Wochenende tätig zu sein, die Arbeitszeiten können individuell abgesprochen werden. Außerdem sind wir auch auf der Suche nach ehrenamtlichen Ärzten für unsere beiden Praxen. Dort wäre es toll, wenn wir jeweils für einen Tag in der Woche für ca. vier Stunden Ärzte zur Verfügung hätten. Begleitet würden sie durch unsere langjährige und felderfahrene Krankenschwester und Zahnarzthelferin.

Des Weiteren würde sich unser Hausmeister ebenfalls über Unterstützung sehr freuen, denn zu tun ist im und am Haus immer genug.

Wir bieten den Menschen, die sich ehrenamtlich bei uns engagieren wollen, immer die Möglichkeit erstmal reinzuschnuppern, so dass diese sich auch erstmal ein Bild von der Arbeit und unserem Haus machen können.

Wenn es Menschen gibt, die uns anderweitig unterstützen möchten: Wir benötigen immer Socken und Herrenunterwäsche sowie Jogginghosen, kleine Löffel, die immer wieder verschwinden, Rucksäcke, Hygieneartikel, nicht abgelaufene Medikamente und Verbandsmaterial sowie haltbare Lebensmittel. Zu Weihnachten veranstalten wir für unsere Gäste immer die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Dafür können Privatpersonen kleine Weihnachtspakete für unsere Besucher packen, z.B. mit Hygieneartikeln, Konserven und Socken. Oftmals sind die von uns überreichten Geschenke die einzigen, die unsere Gäste bei der jährlich stattfindenden Weihnachtsfeier bekommen und es ist immer ein überaus emotionales Fest.

Da unser Projekt nicht im vollen Umfang finanziert ist, sind wir des Weiteren auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Unser Spendenkonto:

Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg KdöR

Bank für Sozialwirtschaft
DE48 1002 0500 0003 1364 67
Stichwort: Tagestreff

Außerdem sind wir auf bettergift gelistet, dort kann man Gute Taten für den Tagestreff erwerben, um damit unser Projekt zu unterstützen und diese an Freunde, Verwandte und Bekannte zum Beispiel zu Weihnachten oder zum Geburtstag verschenken. Link: https://bettergifts.org/projekt/taegliche-essensversorgung