#OskarRedetMit – Constanze Körner, Leiterin des Lesben Leben Familie e.V. (LesLeFam)

Foto von Friderike Körner

Zahlreiche Vereine, Organisationen und Einrichtungen gehören mit ihren vielfältigen Angeboten zum täglichen Leben in den Lichtenberger Kiezen. Was man an ihnen hat, merkt man ganz schnell, wenn Treffen oder Mitmach-Aktionen nicht mehr stattfinden können, wie wir in der Corona-Krise schmerzlich erleben mussten. Oskar hat nachgefragt, wie es in Lichtenberg tätigen Vereinen, Initiativen und Organisationen derzeit so steht und wie das Leben bei ihnen weiter geht.

oskar: Die Corona-Pandemie hat ganz viele Pläne durchkreuzt. Wie ist denn der Verein Lesben Leben Familie e.V. (LesLeFam) durch die letzten Wochen der strengen Kontaktbegrenzung gekommen?

Hissung der Regenbogenfahne vor dem Rathaus Lichtenberg, Foto von Silke Großkopf

Constanze Körner: LesLeFam war Trägerin der Lichtenberger Frauen*woche vom 2.- 8. März 2020 und uns hat es nach all den Vorbereitungen mitten in der Woche getroffen. Bis zum 5. März konnten wir noch unter Auflagen unsere Veranstaltungen durchführen. Alle waren unsicher, wie die Entwicklungen sind, aber die Preisverleihung des Lichtenberger Frauen*preises und die Nacht der Politik im Rathaus Lichtenberg, wo wir auch einen Teil zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirkes Majel Kundel und dem Frauen*beirat gestalten wollten, fiel aus. Auch folgende Veranstaltungen im März mit den Kooperationspartner*innen im ganzen Bezirk. Und auch das laufende Programm von LesLeFam mit den Angeboten für Lesben* und Regenbogenfamilien musste komplett abgesagt werden. Auch wir waren in einer Schockstarre und haben auf Informationen gewartet. Da wir nur ein ganz kleiner Verein mit kaum Ausstattung sind, habe ich mir als Leitung überlegt auf jeden Fall ein Krisentelefon einzuführen, da sich Frauen* und Familien bei mir meldeten mit verschiedensten Fragen. Wir waren im Hintergrund auch weiter aktiv, haben Kontakt gehalten und zum Beispiel die Regenbogenfahnenhissung am 17.5.2020 zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans*feindlichkeit (IDAHOBIT) vorbereitet und mitgestaltet. Inzwischen haben wir online Treffen organisiert, sind im Austausch mit Netzwerken und fangen nun langsam an wieder zu öffnen im Rahmen der Hygiene- und Abstandsregeln.

oskar: Gibt es eine Erfahrung oder ein Erlebnis in der Krisenzeit, die oder das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Constanze Körner: Es ist weniger eine Erfahrung als der Zustand, der die Zeit geprägt hat und weiterhin prägt: unsere Arbeit lebt von Kontakten und der Lebendigkeit im Miteinander. Die täglich mehr werdenden Absagen auf lange Sicht waren und sind darum frustrierend. Gerade für LSBTIQ*-Menschen, also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*- und Interpersonen und Queers*, führt die Kontaktlosigkeit zu noch mehr Unsichtbarkeit und Unsichtbarkeit zu einem sich verfestigenden heteronormativen Blick auf die gesellschaftlichen Ereignisse. Lesbische Mütter mit ihren Kindern sind Frauen*familien und wie wir erfahren haben und wissen, geht diese Krise besonders zu Lasten der Frauen*und Kinder.

oskar: Inzwischen sind ja doch einige Schritte der Lockerung hin zu mehr Normalität gegangen worden. Wie wird es in den nächsten Wochen bei LesLeFam weiter gehen, was wird wieder möglich sein?

Constanze Körner: Wir starten tatsächlich ganz vorsichtig im Juni mit Treffen bei hoffentlich schönem Wetter draußen auf dem Spielplatz oder im Park. Alles entsprechend der Vorschriften. Telefon und Onlineangebote gibt es auch weiterhin. Alle Termine sind unter www.leslefam.de zu finden. Im Juli sind eigentlich in Berlin die großen Ereignisse wie lesbisch-schwules Stadtfest, Dyke*March, der Christopher-Street-Day oder kurz CSD , wo wir viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Wir müssen kreativ schauen, wie das für unser kleines Projekt in der alternativen Onlinewelt funktionieren kann. Auch sind dann Sommerferien und wir hoffen einfach, dass wir im August zu mehr Normalität zurückkehren können.

oskar: Eine solche Pandemie hat ja bisher keiner von uns erlebt. Und wir werden die Zeit auch sicher so schnell nicht vergessen. Wir mussten unser Leben umkrempeln und manches Gewohnte ganz anders machen. Gibt es denn Verhaltensweisen und Formen des Umgangs miteinander, die Sie gerne erhalten würden, wenn sich unser Leben wieder normalisiert?

Constanze Körner: Das können wir noch nicht sagen. Zumindest wissen wir jetzt, wie es geht, falls eine 2. Welle kommt. Erst einmal wünsche ich mir, dass ich die Familien und Frauen* wieder einladen und sehen darf und ich mit meinen Angeboten planen kann. Ganz persönlich würde ich für die Kinder und die ganze Familie den Beginn des Unterrichts auf frühestens 8.30 Uhr verlagern. Der entspanntere Start in den Tag, den würde ich gerne beibehalten.

Constanze Körner ist
Leiterin und Projektkoordinatorin des lichtenberger Vereins Lesben Leben Familie e.V.

Der Verein vertritt die Interessen von lesbischen Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen in Politik und Gesellschaft. Durch konkrete Maßnahmen und Angebote soll die gesellschaftliche Sichtbarkeit und Akzeptanz von lesbischen Frauen und Regenbogenfamilien verbessert werden.

Treffpunkt LesLeFam
Dolgenseestr. 21
10319 Berlin
Tel.: 030 58682129
Mail: info@leslefam.de
www.leslefam.de

#OskarRedetMitist eine Interview-Reihe der oskar | freiwilligenagentur lichtenberg. Sie nimmt spannende Persönlichkeiten, Organisationen und aktuelle Ereignisse aus Lichtenberg in den Fokus.