Interview mit Robert Eichelbaum, Lehrer am 12 Gymnasium Lichtenberg, LdE-Schulpreis-Träger

LdE, diese Abkürzung steht für Lernen durch Engagement. In immer mehr Schulen findet diese moderne Lehr- und Lernform Anwendung. Die oskar|freiwilligenagentur hat dafür einen LdE-Schulpreis ausgelobt. Das ist einmalig in Berlin. Anfang November 2025 wurde er nun erstmals vergeben. Er ging an das 12.Gymnasium Lichtenberg. Wir sprachen mit Robert Eichelbaum, der als Lehrer am Gymnasium in Sachen LdE die Fäden in der Hand hält.

Das Gymnasium hat erst 2024 den Unterrichtsbetrieb aufgenommen. Da war der neu errichtete Schulcampus an der Allee der Kosmonauten fertig geworden. Ein Jahr später gibt es mit dem Lichtenberger LdE-Schulpreis bereits die erste öffentliche Anerkennung für die Arbeit. Wie fühlt sich das an?


Robert Eichelbaum: Das fühlt sich natürlich sehr gut an und kam für uns auch recht überraschend. Da wir eine sogenannte Schule im Aufbau sind, werden viele Inhalte und Projekte teils noch erprobt, verworfen, weiterentwickelt oder fortgeführt. Vieles gelingt und anderes wird dann nochmals kritisch hinterfragt. Schüler:innen und Lehrende zeigen sich hierbei besonders offen und experimentierfreudig. Fakt ist aber auch, dass das Engagement von Annika Hammer und die damit einhergehende Kooperation mit der „oskar freiwilligenagentur“ auch einen Anteil daran haben.

Nun ist ja keine Schule verpflichtet, Lernen durch Engagement als Bestandteil des Lehrens und Lernens anzuwenden. Das ist freiwillig und vor allem die Lehrer:innen müssen davon überzeugt sein. Was waren die Gründe, dass LdE von Anfang an bei ihnen am Gymnasium Einzug gehalten hat? Und waren da gleich alle Feuer und Flamme oder musste doch Überzeugungsarbeit geleistet werden?


Robert Eichelbaum: Glücklicherweise stand dies von Anfang an auf der Agenda. Unser Schulleiter Herr Kurzeja hat mit seinem gesellschaftswissenschaftlichen Schulprofil dem Kollegium und den Schüler:innen einen klaren Auftrag mitgegeben und genau diesen wollen wir nun mit Inhalten füllen. Hier musste wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden, weil wir alle das große Potenzial von LdE vor Augen haben. Von Anfang an stand bei uns auch das Projektband fest, welches jeden Tag stattfindet. Lehrende und Schüler:innen arbeiten hier an unterschiedlichen Projektthemen, aus denen sich diverse Engagements ableiten lassen.

So lernen die neuen 7. Klassen im ersten Projektband den Kiez und das Umfeld an der Allee der Kosmonauten kennen. Wie sieht der Kiez, in dem meine Schule steht, eigentlich aus? Was gibt es hier zu entdecken? Wer lebt hier? Wo können wir uns hier einbringen? Woran erinnert man sich? – Hieraus ist z.B. auch ein Stolpersteinprojekt mit Erkundung im Kiez entstanden oder ein Denkmalprojekt, in welchem die Kinder ein Denkmal für Lichtenberg entworfen haben. Für das 2. Halbjahr planen wir gerade in Verbindung mit dem GeWi-Unterricht (Themenfeld Migration) eine Kooperation mit einer Gemeinschaftsunterkunft in Lichtenberg. So übernehmen junge Menschen – aber auch die Lehrenden – gesellschaftliche Verantwortung für ihr Umfeld, für die Gesellschaft. LdE heißt auch Demokratie und Humanismus erleben und gestalten. Wie kann ich meine/unsere Gesellschaft für mich und andere nachhaltiger, menschlicher, gerechter gestalten? Auf diese Fragen versuchen wir, Antworten zu finden.


Ist es vielleicht sogar ein Vorteil, wenn solch eine moderne Lehr- und Lernform wie LdE gleich vom Start weg in den Schulalltag integriert werden kann, als wenn sie sich gegen jahrzehntelang gelebte Schulpraxis durchsetzen muss?


Robert Eichelbaum: Das würde ich schon sagen. Es eröffnet einer Schule im Aufbau natürlich ganz andere Möglichkeiten, da die Strukturen noch nicht so verfestigt sind. Vor allem tritt die Schulgemeinschaft diese Reise von Anfang an gemeinsam an. Das erzeugt auch einen gewissen Pioniergeist und eine Dynamik, die alle erreichen kann. Aus der Erfahrung meiner letzten Schule heraus habe ich es auch erlebt, wenn man versucht, entgegen der vorherrschenden Strukturen, LdE zu implementieren. Dies gestaltete sich um Längen schwieriger – bisweilen auch gar nicht. Das ist am 12. Gymnasium Lichtenberg gänzlich anders. Hier merkt man, dass wir diese Lehr- und Lernform alle wollen und dahinterstehen. Mögen wir uns diese Euphorie beibehalten.

Ausgelobt hat den LdE-Schulpreis die oskar | freiwilligenagentur. Er ist nicht nur Anerkennung für bereits Geleistetes, sondern auch Würdigung geplanter Projekte und Unterstützung bei deren Umsetzung durch oskar. Welche Projekte wollen Sie gemeinsam mit den Schüler:innen angehen?


Robert Eichelbaum: Für das 2. Halbjahr planen wir die Kooperation mit einer Lichtenberger Gemeinschaftsunterkunft, um Begegnungen zwischen den Jugendlichen zu schaffen, gemeinsame Aktionen (z.B. Fußballturniere, gemeinsames Kochen, etc.) zu gestalten, etc. Es wird weiterhin auch um Fragen der Ökologie gehen, z.B. bei einer Krautschau, Bau von Insektenhotels im Projektband der Kosmo-Forscher*innen. Hier sind wir auch daran interessiert, mit dem anliegenden Landschaftspark Herzberge eine Kooperation einzugehen. Geplant ist auch eine Clean-up-Aktion im Kiez. Wir planen auch gerade unser Praktikum Verantwortung, bei dem die Schüler:innen des 8. Jahrgangs im Mai 2026 14 Tage in einer gemeinnützigen Einrichtung arbeiten werden. Das Projekt findet im Rahmen der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften statt und ist darüber hinaus eng an die Lernform „Lernen durch Engagement“ gebunden. Auch die Landtagswahlen werden im Rahmen verschiedener Demokratieprojekte im kommenden Schuljahr eine wichtige Rolle spielen.

Der Preis ist auch mit einer finanziellen Zuwendung in Höhe von 1.000 € verbunden. Sponsor ist Herr Andreas Krebs von der MODULE Spezial-Gerüstbau GmbH. Für die geplanten Projekte ist das Geld sicher sehr willkommen. Gibt es etwas, wofür das Geld vor allem eingesetzt werden soll?

Robert Eichelbaum: Das Geld soll in erster Linie gemeinnützigen Zwecken im Bezirk zugedacht werden. Die Schüler:innen werden im neuen Jahr entsprechende Einrichtungen heraussuchen, diese sich anschauen, darüber beraten und diskutieren und dann sollen die Gelder entsprechend zugeteilt werden..

Die Schülerinnen und Schüler waren bei der Ideenfindung für die Projekte bereits aktiv einbezogen. Wie kommt das bei den Schüler:innen an, was da durch LdE möglich wird?


Robert Eichelbaum: Da wir eine Schule im Aufbau sind, führen wir all die Projekte gerade mit den Klassen der 7. und 8. Jahrgänge durch. Wir wachsen quasi nach oben. Da wir die Kinder aber so früh einbeziehen, wachsen ihnen die Themen und Projekte auch schnell ans Herz. Sie wissen um den Anspruch dahinter und setzen sich mit uns auch stets kritisch auseinander. Hierbei spielt das stetige Reflektieren aller Beteiligten eine große Rolle.

Die oskar | freiwilligenagentur ist ja auch Kompetenzzentrum für LdE. Sie bietet Unterstützung bei der Umsetzung der Projekte an. Das ist Bestandteil des Preises. Wie finden Sie die Zusammenarbeit mit oskar und wofür wollen Sie diese auch weiterhin nutzen?

Die Zusammenarbeit mit oskar finde ich einfach großartig. Annika Hammer unterstützt uns wirklich mit großer Tatkraft, mit Weit- und Umsicht und viel Herzlichkeit. Ich hatte bereits an meiner alten Schule Jenny Stiebitz kennengelernt und da merkte ich schon, wie wichtig oskar bei der Implementierung von LdE ist. Dass, was oskar und all die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen für den Bezirk und darüber hinaus leisten, ist einfach phänomenal. Dass wir mit unserem 12. Gymnasium nun ein Teil davon sein dürfen, fühlt sich sehr gut an.

Auch 2026 wird der LdE-Schulpreis wieder verliehen. Aufgerufen sich zu bewerben, sind alle Schulen, die Interesse daran haben, LdE nachhaltig an ihrer Schule zu implementieren. Zeit dafür ist bis zum 20. April 2026. Alles, was Ihr dazu noch wissen müsst, erfahrt ihr im Digital Coffee Talk am 18.02.2026 um 16.00 Uhr. Gern könnt ihr euch auch direkt melden und ein Gespräch vereinbaren unter: lde@oskar.berlin.

Dieses Interview entstand in der Redaktion Zeigen, was geht!
Sie ist die Freiwilligen-Redaktion der oskar | freiwilligenagentur lichtenberg. Freiwillig Engagierte verfassen für die Redaktion Beiträge über Themen im Zusammenhang mit Engagement. Das Format der Beiträge kann in der Redaktion frei gewählt werden, neben Texten sind auch Videos oder anderes möglich. – Redaktion steht allen Interessierten offen. Wer mitmachen möchte, meldet sich bitte bei: info@oskar.berlin

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