Die Fragen stellte Peter Breitfeld
Fotos: Ksenia Porechina / Rainer Bosse

Der Fennpfuhl ist ein Stadtteil in Lichtenberg. Seit 2001 wird das Gebiet zwischen der Landsberger Allee und der Hohenschönhausener Straße im Norden, der Storkower Straße im Südwesten und der Vulkanstraße im Osten so genannt. Vorher hieß es Lichtenberg (Nord). Der Fennpfuhl ist ein dicht besiedeltes Gebiet, hat mit dem Fennpfuhlpark aber auch viel Grün zu bieten. Es ist eine immer beliebter werdende Wohngegend. Bürgerschaftliches Engagement wird hier groß geschrieben. Darüber und über ein Jubiläum, das in diesem Jahr im Fennpfuhl begangen wird, sprach oskar mit Tina Messerschmidt, Stadtteilkoordinatorin im Fennpfuhl.

oskar: Unter der Tätigkeit einer Stadtteilkoordinatorin stellen sich Menschen sicher ganz Unterschiedliches vor. Sie selbst beschreiben Ihre Tätigkeit unter anderem so, dass Sie beim Gestalten nachbarschaftlicher Projekte helfen. An welchen Projekten sind Sie denn derzeit gerade dran?

Tina Messerschmidt: Ich unterstütze gerade die Anfrage eines Anwohners, der gern Urban Gardening in den Fennpfuhl bringen will. Für dieses Gärtnern in der Stadt werden derzeit Flächen gesucht, die dafür genutzt werden können. Zusammen mit dem Bezirksamt Lichtenberg haben wir uns dieser Thematik angenommen und versuchen geeignete Flächen im Fennpfuhl zu finden. Das ist eine ganz konkrete Sache.
Dann gibt es in diesem Jahr bei uns ja ein großes Projekt und Vorhaben: das 50-jährige Fennpfuhl-Jubiläum. Seit Anfang des Jahres finden unterschiedlichste Angebote und Veranstaltungen statt, die immer versuchen einen Bezug zum Fennpfuhl herzustellen. Da bin ich natürlich gefragt und dabei.

Ich unterstütze gerade die Anfrage eines Anwohners, der gern Urban Gardening in den Fennpfuhl bringen will.

Dann versuchen wir etwas Neues. Eine Anwohnerin möchte gern eine Parkbank mit einer Gedenktafel für ihre Großeltern aufstellen lassen. Die Großeltern gingen 1931 aus Solingen in die Sowjetunion und kamen dann schließlich 1973 nach Berlin Lichtenberg, speziell in den Fennpfuhl. Eine solche Form der Erinnerung im öffentlichen Raum haben wir im Fennpfuhl bisher nicht. Es bedarf also einiger Abstimmungen. Es soll dann ja sicher nicht bei der einen Bank bleiben. Mal sehen, was letztlich daraus wird.

Ja, und jetzt ganz aktuell, steht der neue Termin für den 6. Nachbarschaftlichen Flohmarkt am Storkower Bogen fest. Am 02.07.22 von 10:00-17:00 Uhr wird es wieder soweit sein.

Beliebter Treff – Haus der Generationen

Zu Ihren Aufgaben gehört auch die Betreuung der Bürgerjury. Jury – da sind die Gedanken schnell bei Wettbewerb. Aber darum geht es doch bei der Bürgerjury eher nicht. Was muss man sich denn darunter vorstellen?

Die Stadtteilkoordinationen in Lichtenberg haben vom Bezirk den Auftrag bekommen, sich als Geschäftsstelle Kiezfonds um alles zu kümmern, was den Kiezfonds und die Bürgerjurys betrifft.

Beim Kiezfonds handelt es sich um eine niedrigschwellige, finanzielle Förderung von Kiezprojekten, die auf irgendeine Art der Entwicklung des jeweiligen Stadtteils dienen. Die Bürgerjury ist fester Bestandsteil der Kiezfonds-Förderung. Sie diskutiert die Projekt-Anträge und entscheidet über die Förderungen.

Die Mitglieder der Bürgerjury engagieren sich ehrenamtlich und unentgeltlich. Sie verwenden mitunter viel Zeit für die Sichtung, Diskussion und Entscheidung über die Kiezfonds-Anträge. Damit können sie aktiv Einfluss auf die Gestaltung ihres Kiezes nehmen.

Im Fennpfuhl wird in diesem Jahr gefeiert. Sie haben darauf bereits hingewiesen. Vor 50 Jahren wurde der Grundstein für die Entwicklung des Stadtteils gelegt. Wie engagieren sich denn die Fennpfuhler:innen selbst für das Jubiläum? Was kriegen Sie da so mit? Und woran sind Sie selbst beteiligt?

50 Jahre Fennpfuhl und Bürgerverein

Bereits seit 2019 sprechen wir im Forum Fennpfuhl, einem Netzwerk aus vielen lokalen Akteur:innen aus dem Fennpfuhl, über das große Jubiläum in 2022. Und nun ist es so weit. Vor allem der Bürgerverein Fennpfuhl und ich planten gemeinsam viele Aktionen und Veranstaltungen und versuchten, dazu auch viele Akteur:innen und Gewerbetreibende des Fennpfuhls mit einzubeziehen. Zum Jubiläum gibt es aus der Nachbarschaft viele Ideen und Intentionen den Fennpfuhl durch Bepflanzungen zu verschönern, durch gemeinsame Nachbarschaftsfeste die Anwohner:innen zusammen zu führen und in Erzähl- oder Lesecafés die Fennpfuhler:innen aktiv an der Gestaltung und Geschichte des Fennpfuhls teilhaben zu lassen.

Zusammen mit dem Bürgerverein Fennpfuhl planen wir ein Jubiläums Buch herauszubringen „50 Jahre- 50 Gesichter- 50 Geschichten“. In diesem Buch werden verschiedene Persönlichkeiten aus dem Fennpfuhl interviewt und portraitiert. Unsere Kiezreporter:innen, zum Teil auch wohnhaft im Fennpfuhl, arbeiten ganz fleißig an diesem Buch zum Jubiläum.

Am 16.09.2022 findet wieder das obligatorische Fennpfuhlfest auf dem Anton-Saefkow-Platz statt. Zusammen mit den Wohnungsbauunternehmen, dem Bürgerverein Fennpfuhl und weiteren sozialen Trägern planen wir ein regionales und familienfreundliches Programm.

Sie betreuen den Kiezfonds. Aus dem Fonds gibt es ja Geld für Ideen und Vorschläge von Menschen aus dem Kiez, die dann als Nachbarschaftsprojekte umgesetzt werden. Erzählen Sie doch mal, was da so mit Geld aus dem Kiezfonds umgesetzt wird?

Willkommen im RoBertO

Die Förderung der Ideen für den Fennpfuhl gehen von Nachbarschaftsfesten, zu Blumenkübelbepflanzung am Anton-Saefkow-Platz, zur Aufstellung eines ersten öffentlichen Bücherschrankes bis hin zu Riesenschach-Figuren für die Nachbarschaft. Im Fennpfuhl gibt es immer wieder tolle und kreative Ideen und Vorschläge für den Kiezfonds, die vorrangig den Fokus auf die Verbindung von generationsübergreifenden Zielgruppen in der Nachbarschaft legen.

Wer zu Ihnen will, geht ins Haus der Generationen in der Paul-Junius-Straße. Das ist ja für den Fennpfuhl ohnehin eine sehr wichtige Begegnungsstätte, in der nach den Corona-Einschränkungen viele Angebote gerade wieder starten. Für die, die es noch nicht kennen: Was ist dort los? Was findet man da alles unter einem Dach?

In der Begegnungsstätte RoBertO, im Haus der Generationen, sind fünf große und mehrere kleinere öffentlich geförderte Projekte für diverse Zielgruppe angesiedelt. Dazu gehören die Stadtteilkoordination Fennpfuhl, das Projekt Großsiedlung Fennpfuhl, Integriertes Sozialprogramm, die Spaziergangsgruppen in Lichtenberg, das Büro 55+, die Flexible Kinderbetreuung sowie „Frühe Hilfen“. All diese Projekte sind im Erdgeschoss des Hauses der Generationen in der Begegnungsstätte RoBertO zu finden und füllen das Haus mit Angeboten für Kinder, Jugendliche, Eltern, Senior*innen, Menschen mit und ohne Behinderungen sowie Menschen mit und ohne Fluchterfahrungen.

Pflanzaktion im Fennpfuhl

Der von Putin losgetretene Krieg Russlands gegen die Ukraine dauert an. Täglich sehen wir die schrecklichen Kriegsbilder. Gerade in Berlin spüren wir aber auch die große Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen für die vielen Geflüchteten, die sich vor den Bomben in Sicherheit bringen. Welche Initiativen gibt es in Ihrem Umfeld im Fennpfuhl? Und was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Bilder von Tod und Grauen des Krieges sehen?

Die Hilfsbereitschaft und Solidarität bei uns in der Begegnungsstätte und im Träger der RBO – Inmitten war von Anfang an sehr groß. Wir Kolleg:innen haben ganz schnell Spenden gesammelt, die dann an die ukrainische Grenze gebracht wurden. Wir haben ab der zweiten Woche eine Gruppe für ukrainische Kinder organisiert, um die Beschulung der Kinder zu ermöglichen und das Ankommen hier in Lichtenberg angenehm zu gestalten. Zweimal die Woche kommen an die 12 Kinder zu uns ins Haus, werden an die deutsche Sprache herangeführt und sind in den Pausen sportlich aktiv. Ab Mitte Mai wird es auch eine Krabbelgruppe für Mütter und ihre Kinder mit Fluchtgeschichte geben, immer freitags in der Zeit von 11:00 -13:00 Uhr.

Mehr Information zum RoBertO finden Sie hier

Dieser Text entstand in der Redaktion Zeigen, was geht!
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Die Rubrik #oskarRedetMit vereint Interviews mit aktiven Menschen aus dem Bereich Engagement und Kiezkultur. Sie ist ein fester Bestandteil der Freiwilligenredaktion.