Zusammenfassung
In Berlin-Friedrichsfelde steht eine mobile Plauderbank. Dort können sich Menschen aus der Nachbarschaft spontan auf einen Kaffee hinsetzen, zuhören und miteinander ins Gespräch kommen. Das Projekt des AWO-Margaretentreffs schafft einfache Begegnungen und hilft so gegen Einsamkeit im Kiez.
Eine Bank gegen Einsamkeit
Elf Uhr in Berlin-Friedrichsfelde. Zwischen einem Supermarkt, einer Apotheke und dem U-Bahnhof lädt eine Plauderbank auf einer kleinen Grünfläche zum Gespräch ein. Viele Menschen müssen hier vorbei. Sie kaufen ein, holen Medikamente oder gehen zur Bahn. Mitten auf der Fläche steht Anne-Lise Brabants. Neben ihr ein kleiner Wagen mit einer ausklappbaren Bank, die sie aufstellt. Ich setze mich. Noch bevor das Gespräch beginnt, bietet sie mir einen Kaffee an. Genau darin liegt die Idee der Plauderbank: Niemand muss sich anmelden. Niemand muss erklären, warum er sich dazusetzt. Man kann reden, zuhören oder sich austauschen. Oder einfach nur einen Kaffee trinken. Oft ergibt sich daraus ganz von selbst ein Gespräch.

Eine Gesprächsmöglichkeit mitten im Leben
Die Lage ist bewusst gewählt. Die Bank steht zentral und ist gut zu erreichen. Gleichzeitig liegt sie nicht mitten im Trubel. Passanten können sie wahrnehmen, ohne sich beobachtet zu fühlen. Wer sich hinsetzen möchte, muss keine Bühne betreten. Ein paar Schritte reichen.
Die mobile Plauderbank ist Teil der Arbeit rund um das Projekt AGNES des AWO-Margaretentreffs. Die Buchstaben stehen für „Aktiv Gemeinsam Nachbarschaft Entdecken und Stärken“. Der Name erinnert zugleich an die Schauspielerin Agnes Kraus. Im DDR-Fernsehfilm „Schwester Agnes“ spielte sie eine Gemeindeschwester, die sich mit Herz, Beharrlichkeit und Berliner Schnauze um die Menschen kümmerte.
Auch die Plauderbank geht dorthin, wo Menschen unterwegs sind. Sie ist ein Angebot der mobilen Stadtteilarbeit. Das Ziel klingt einfach: Nachbar:innen sollen miteinander ins Gespräch kommen.
Geduld und kleine Begegnungen
In der Praxis braucht es dafür Geduld. Viele Menschen bleiben kurz stehen. Andere lächeln, gehen aber weiter. „Viele trauen sich einfach nicht“, sagt Brabants. „Mit dem Kaffee funktioniert es ganz gut“, erzählt Brabants weiter. Früher seien weniger Menschen stehen geblieben. Der Kaffee macht den ersten Kontakt leichter. Manche setzen sich nur kurz dazu, trinken ihren Becher aus und gehen wieder. Doch auch daraus kann ein Gespräch entstehen.
Während wir sprechen, kommt eine Frau aus der Apotheke, die in der Gemeinschaftspraxis nebendran arbeitet. Sie schaut zu uns herüber und lächelt. „Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mich gern dazusetzen“, sagt sie. Brabants lächelt zurück: „Vielleicht beim nächsten Mal.“ Dann geht die Frau weiter.
Ein kurzer Moment. Aber genau solche Momente zeigen, dass die Plauderbank eine niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit anzubieten versucht. Sie steht nicht in einem Gebäude, sondernmitten im öffentlichen Raum und ist eine Einladung für alle, die vorbeikommen.
Nicht immer setzt sich sofort jemand dazu. Auf die Frage, ob die Engagierten manchmal selbst einsam seien, während sie auf Gesprächspartner warten, antwortet Brabants, dass das durchaus vorkomme. Im Durchschnitt kämen sie aber mit vier oder fünf Menschen am Tag ins Gespräch.
„Das wird nicht für alle funktionieren, sondern nur für einige“
Anne-Lise Brabants
Wie die mobile Plauderbank Menschen zusammenbringt
Wer Platz nimmt, lässt sich kaum vorhersagen. Es kommen Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Lebenslagen. Manche wollen erzählen, andere suchen Gesellschaft und einige sind nur neugierig. Die Plauderbank verlangt keine bestimmte Geschichte und sie fragt nicht nach einem Grund.
Trotzdem weiß Brabants, dass ein solches Angebot nicht jede:n erreicht. Gerade Menschen, die stark zurückgezogen leben, verlassen ihre Wohnung oft kaum. Andere fühlen sich nicht angesprochen oder haben Angst vor dem ersten Kontakt.
„Das wird nicht für alle funktionieren, sondern nur für einige“, sagt sie.
Eine Plauderbank wird Einsamkeit nicht verschwinden lassen. Aber manchmal reicht schon ein Gespräch, damit jemand sich an diesem Tag weniger allein fühlt.
Einsamkeit hat viele Ursachen
Für Brabants gehört Einsamkeit nicht nur zum Alter, sondern hat viele Ursachen und eine wird oft übersehen. „Armut gehört auch zum Thema Einsamkeit“, sagt sie. Wer wenig Geld hat, kann seltener am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Ein Cafébesuch oder ein Ausflug zu einer Veranstaltung können schnell zu teuer werden. Kostenlose Begegnungsorte werden dann umso wichtiger.
Nach Brabants’ Einschätzung ist Einsamkeit in Friedrichsfelde stärker ausgeprägt als in vielen anderen Gegenden. Viele Menschen leben allein und gleichzeitig fehlen häufig die Orte, an denen Begegnungen früher nebenbei entstanden.
Für Brabants gehört Einsamkeit nicht nur zum Alter, sondern hat viele Ursachen und eine wird oft übersehen. „Armut gehört auch zum Thema Einsamkeit“, sagt sie. Wer wenig Geld hat, kann seltener am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Ein Cafébesuch oder ein Ausflug zu einer Veranstaltung können schnell zu teuer werden. Kostenlose Begegnungsorte werden dann umso wichtiger.
Nach Brabants’ Einschätzung ist Einsamkeit in Friedrichsfelde stärker ausgeprägt als in vielen anderen Gegenden. Viele Menschen leben allein und gleichzeitig fehlen häufig die Orte, an denen Begegnungen früher nebenbei entstanden.
„Wir bilden Strukturen nach, die es schon vorher gab“, sagt Brabants.
Heute braucht es manchmal ein bewusstes Angebot, damit wieder etwas Zufälliges entstehen kann.
Gemeinsam gegen Einsamkeit
Drei freiwillig Engagierte unterstützen die Plauderbank derzeit. Junge Engagierte wie Studierende seien bisher eher selten dabei. Häufig engagieren sich Menschen, die im Ruhestand sind, gerade nicht arbeiten oder ihre freie Zeit sinnvoll für andere einsetzen möchten. Brabants selbst arbeitet hauptamtlich in Teilzeit für das Projekt. Das Thema liegt ihr persönlich am Herzen, sagt sie.
Die Plauderbank ist Teil der Arbeit des AWO-Margaretentreffs in der Zachertstraße. Die Begegnungsstätte richtet sich an Menschen aller Generationen. Im Rahmen von Nachbarschaftsfesten und Aktionen wie der bundesweiten Aktionswoche gegen Einsamkeit geht das Team mit der Bank auch direkt in den Kiez.
Dort beginnt alles mit einer einfachen Frage: „Möchten Sie einen Kaffee?“
Vielleicht folgt darauf nur ein Dankeschön, eventuell fünf Minuten Smalltalk. Vielleicht erzählt jemand, was ihn seit Wochen beschäftigt. Und vielleicht entsteht aus einem kurzen Gespräch ein neuer Kontakt.

Du möchtest die Plauderbank unterstützen?
Wer sich freiwillig engagieren möchte, kann die Plauderbank unterstützen und selbst dazu beitragen, dass aus Fremden Nachbar:innen werden. Manchmal beginnt Gemeinschaft nicht mit einem großen Projekt. Manchmal beginnt sie auf einer ausklappbaren Bank in Friedrichsfelde.
Dieser Beitrag entstand in der Redaktion Zeigen, was geht!
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