Am Freitag, den 31. Juli 2026, fand um 18 Uhr der 3. Kunstplausch statt, ehrenamtlich organisiert von der oskar | galerie in den Räumen der oskar | freiwilligenagentur lichtenberg. Der Kunstplausch ist ein offenes Format für alle Interessierten. Gemeinsam betrachten wir ausgewählte Werke, tauschen Eindrücke aus und entdecken neue Perspektiven – auch ganz ohne Vorkenntnisse. Im Mittelpunkt stehen Neugier, der offene Dialog und die Freude am gemeinsamen Entdecken von Kunst.
Von Ornans nach Berlin
Unter dem Titel „Von Ornans nach Berlin – Auf der Suche nach der Wirklichkeit“ mit dem Fokus auf Gustave Courbets Gemälde „Die Steineklopfer“, führte die angehende Kunsthistorikerin Carolin Orlik die 21 Teilnehmenden und einen vierbeinigen Begleiter durch einen abwechslungsreichen Abend, der Kunstbetrachtung, Austausch und Diskussion miteinander verband.
Auch die Hobbykünstlerin Ulrike Drobniewski, deren Gemälde zu dem Thema „Wasser, Wellen, Wind und Mee(h)r“ aktuell in den Räumen der oskar | freiwilligenagentur ausgestellt sind (03.07.–27.08.2026), war an diesem Abend vor Ort.

Carolin gliederte den Kunstplausch in drei Bereiche. Zu Beginn begrüßte sie die Gäste und stellte die Struktur des Abends vor. Im ersten Abschnitt stand die Betrachtung der Ausstellung von Ulrike Drobniewski im Mittelpunkt, im zweiten der gemeinsame Austausch über Gustave Courbets „Die Steineklopfer“ und schließlich der Austausch über die Ausstellung von Ulrike Drobniewski.
Bei Knabbereien und Getränken hatten die Teilnehmenden etwa 20 Minuten Zeit, die Ausstellung von Ulrike Drobniewski in Ruhe zu erkunden. Während einige Teilnehmende ihre Lieblingswerke entdeckten, kamen andere miteinander oder direkt mit der anwesenden Künstlerin ins Gespräch. So entstand bereits zu Beginn eine offene und lebendige Atmosphäre.
Kunstbetrachtung, Austausch und Diskussion
Im zweiten Abschnitt stand Gustave Courbets Gemälde „Die Steineklopfer“ im Mittelpunkt. Carolin Orlik hatte sich intensiv auf den Kunstplausch vorbereitet und präsentierte das Gemälde mithilfe eines Beamers, sodass alle Teilnehmenden die Details des Werkes gut betrachten konnten.
Über einen Zeitraum von etwa 40 bis 50 Minuten tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Eindrücke, Wahrnehmungen und Assoziationen aus. Carolin Orlik stellte dazu Fragen und lud die Gäste ein, ihre Beobachtungen zu teilen. Viele Gäste beteiligten sich an dem gemeinsamen Austausch.

Die ersten Eindrücke bezogen sich auf die beiden dargestellten Männer: „Arbeiter“, „arme Menschen“ und „harte Arbeit“ wurden genannt. Die Teilnehmenden beschrieben sie als Teil der Arbeiterklasse ihrer Zeit und als Tagelöhner. Es wurde über die sonnige Atmosphäre, die fehlende Schutzkleidung und die Tätigkeit der Steineklopfer gesprochen. Auch die Überlegung, wofür die Steine benötigt wurden, kam auf – beispielsweise für den Straßenbau.
Die Eindrücke der Gäste waren vielfältig. Eine Teilnehmerin bemerkte den „schicken Hut“ eines der beiden dargestellten Männer. Anderen stachen die zerrissene Kleidung und die realistische Wirkung des Gemäldes ins Auge. Ein weiterer Teilnehmer stellte fest, dass das Werk der Kunstepoche des Realismus zuzuordnen ist. Auch die fast fotografische Darstellung und die wirklichkeitsnahe Wiedergabe der Situation wurden angesprochen.
Persönliche Assoziationen fanden ebenfalls ihren Raum. Beim Betrachten des Gemäldes wurden Gerüche wie „Staub“ und „Lavendel“ genannt. Ein Teilnehmer bemerkte den Hell-Dunkel-Kontrast. Der blaue Bereich oben rechts sowie die blauen Socken eines der beiden Männer wurden von einigen Gästen als Zeichen der Hoffnung gedeutet.


Unterschiedliche Perspektiven auf ein Kunstwerk
Im weiteren Austausch kamen unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die Teilnehmenden sprachen über das Aufbrechen alter Systeme, Umweltzerstörung und Ausbeutung. Es entstanden Vergleiche zwischen früher und heute. Die Frage, warum Courbet gerade diese beiden Männer malt und sie in den Mittelpunkt stellt, war ebenfalls Bestandteil des Austauschs.
Sie funktionieren nur noch, haben aber kein Leben.
Eine Teilnehmerin fasste mit diesen Worten ihre Wahrnehmung der beiden dargestellten Männer in Gustave Courbets „Die Steineklopfer“ zusammen.
Gleichzeitig wurden die Männer auch als kraftvoll und forsch wahrgenommen.
Anschließend ergänzte Carolin Orlik Hintergründe zu Gustave Courbet und dem Gemälde. Sie sprach über die Entstehung des Werkes im Jahr 1849, über Courbets wiederholte Beschäftigung mit derselben Landschaft und darüber, dass das Gemälde über die dargestellte Arbeit hinaus auch von den bedrückenden Lebensbedingungen der ärmeren Menschen erzählt. Mit diesem Gemälde sorgte Courbet in den damaligen wohlhabenden Gesellschaftskreisen für viel Empörung.
Bilder von Ulrike Drobniewski
Nach einer kurzen Pause folgte die dritte Struktur des Abends: der Austausch über die in der oskar | galerie ausgestellten Gemälde von Ulrike Drobniewski. Die Teilnehmenden sprachen über die Wirkung ihrer Arbeiten und beschrieben Gefühle wie Stille, Sehnsucht und Meerweh. Besonders die Darstellungen des Meeres und der verschiedenen Welten in den Bildern luden zum Eintauchen ein.
Am liebsten würde ich direkt in die Bilder hineinspringen und ins Meer eintauchen.
Ein Teilnehmer beschrieb mit diesen Worten die besondere Wirkung der Arbeiten von Ulrike Drobniewski.
Es entstand der Eindruck, dass die Werke eine starke emotionale Wirkung auf die Betrachtenden ausübten.
Ulrike Drobniewski machte deutlich, dass es ihr in ihren Arbeiten nicht allein um die Schönheit des Meeres geht. Ihre Gemälde sollen auch auf die Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur und auf die zunehmende Umweltverschmutzung aufmerksam machen.

Die angehende Kunsthistorikerin fragte nach Parallelen zwischen Courbets Gemälde und den ausgestellten Arbeiten der Künstlerin. Im Austausch wurde deutlich, dass Courbets „Die Steineklopfer“ und die Arbeiten von Ulrike Drobniewski zwei unterschiedliche Welten darstellen. Die meisten Teilnehmenden entdeckten keine direkten Parallelen zwischen den Werken. Als mögliche Verbindung wurde das Thema Umweltverschmutzung angesprochen.
Lebendiger Kunstplausch
Der 3. Kunstplausch war ein voller Erfolg. Die Teilnehmenden brachten ihre eigenen Eindrücke und Perspektiven ein und machten den Abend zu einem lebendigen Austausch über Kunst. Die verschiedenen Sichtweisen zeigten, wie vielfältig ein gemeinsames Betrachten und Gespräch über Kunst sein kann.
Um beim nächsten Kunstplausch oder einer Ausstellungseröffnung dabei zu sein, schaut gerne regelmäßig in den Kalender der oskar | freiwilligenagentur, auf die Ausstellungsseite der oskar | galerie, oder meldet euch für den Newsletter an.
Text: Anne Leinen
Dieser Beitrag entstand in der Redaktion Zeigen, was geht!
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